Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG:
Wertschöpfung durch Wertschätzung

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Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG

Mitarbeiter: 650

Davon Auszubildende: 50

Gäste: ca. 350.000 pro Jahr

Immobilien: 10 Hotels, 50 Ferienwohnungsanlagen

Adresse: Friedrich-Ebert-Straße 69-71 | 26725 Emden

Internet: www.upstalsboom.de

Wertschöpfung durch Wertschätzung

Seit nahezu 40 Jahren steht der Name Upstalsboom für individuellen Urlaub und Erholung. Der Begriff Upstalsboom kommt aus dem Altfriesischen. Er bezeichnet den Baum („Boom“), an dem die Pferde festgemacht, nämlich aufgestallt („upstallt“), wurden, wenn die Häuptlinge zur Beratung und zum Feiern zusammenkamen, um in der Gemeinschaft Gleichgesinnter neue Kraft zu schöpfen. Dem fühlt man sich auch heute noch den Gästen gegenüber verpflichtet. Sie sollen den Alltag hinter sich lassen, entspannen und sich in angenehmer Umgebung von herzlichen Gastgebern verwöhnen lassen. Die Standorte der zehn Upstalsboom-Hotels und 50 Ferienanlagen reihen sich einer Perlenkette gleich entlang den Küsten und Inseln an Nord- und Ostsee. Zwei Stadthotels in Emden (gleichzeitig der Sitz der Firmengruppe) und Berlin ergänzen das Angebot. „Sich vom Markt abzuheben, ohne selbst abzuheben“ war die Devise des Unternehmensgründers Werner H. Janssen, dem Vater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters Bodo Janssen. Diesem Dogma fühlt sich die Unternehmensgruppe auch heute noch verpflichtet.

Bodo Janssen: Es geht um die Haltung

Acht Jahreszahlen sind es, die den Lebensweg von Bodo Janssen entscheidend markieren. 1974 wird er geboren, 1998 entführt und nach acht Tagen aus der Hand seiner Kidnapper befreit, 2005 steigt er ins elterliche Unternehmen ein. 2006 heiratet er seine Frau Claudia, im gleichen Jahr wird ihr erstes Kind geboren. 2007 kommt sein Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. 2009 wird er zum zweiten Mal Vater. 2010 vollzieht er einen Paradigmenwechsel in seiner Art der Unternehmensführung. Und 2011 kommt das dritte Kind von Bodo und Claudia Janssen zur Welt.

Die erste Hälfte des bisherigen Lebens von Bodo Janssen verläuft wie die eines klassischen Unternehmersohns: Schule, Abitur, Zivildienst, Studium. 1993 blitzt erstmals sein unternehmerisches Talent auf. Um sein Studentensalär aufzubessern, heuert er in einer Hamburger Bar an und fühlt sich wie Tom Cruise in der amerikanischen Filmkomödie „Cocktail“. Er gründet Hamburgs erste mobile Cocktailbar und tourt an Wochenenden von Hochzeit zu Hochzeit und anderen Festlichkeiten. Während des Studiums bereist er viele Länder, allerdings nicht als Tourist, sondern als Arbeiter. Das Geld, das er für die Reisen benötigt, verdient er sich jeweils vor Ort.

Worauf es ankommt

Sein Job als Barkeeper ist der Ausgangspunkt für seinen wahrscheinlich bedeutendsten Lebenseinschnitt. Über zwei Jahre hinweg baut ein Krimineller ein Vertrauensverhältnis auf, das in Bodo Janssens Entführung durch eine organisierte Bande im Jahr 1998 endet. Unter einem Vorwand wird er in einen Hinterhalt gelockt und entführt. Was es heißt, acht Tage in den Händen von Entführern zu sein und Scheinhinrichtungen über sich ergehen lassen zu müssen, kann nur der nachvollziehen, der es am eigenen Leib verspürt hat. Die Kidnapper fordern Lösegeld. Die Geschichte ziert tagelang die Schlagzeilen der deutschen Medien. Das Lösegeld wird übergeben, der Entführte von einem Sondereinsatzkommando der Polizei befreit. Die Täter werden gefasst und mit bis zu zwölf Jahren Haft verurteilt, der Anführer kommt in anschließende Sicherungsverwahrung. Bodo Janssen kann aber selbst diesen schrecklichen Erlebnissen noch etwas Positives abgewinnen. „Dadurch, dass mir Menschen das Leben nehmen wollten, haben sie mir mein wirkliches Leben geschenkt“, lautet seine Erkenntnis aus diesen Tagen. Seit dieser Zeit sieht er das Leben mit anderen Augen, lebt mehr in der Gegenwart und weiß, auf was es im Leben ankommt.

Frühe Unternehmerjahre

Parallel zum Studium macht sich Bodo Janssen selbstständig. In Emden übernimmt er eine sanierungsbedürftige und insolvente Sport- und Freizeitanlage und entwickelt daraus mit seinen Partnern ein modernes Sport- und Freizeitzentrum (www.freizeitcenter-emden.de und www.okidoki-emden.de), wo er heute noch geschäftsführender Gesellschafter ist und 20 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl der Besucher der Anlage stieg von jährlich anfänglich 20.000 auf heute nahezu 170.000. Die elterlichen Betriebe interessieren ihn zu dieser Zeit noch wenig, aber das Sport- und Freizeitzentrum spielt eine wichtige Rolle für seinen Einstieg ins elterliche Unternehmen. Schon damals inspiriert ihn ein Motto von Albert Schweitzer: Das Heil dieser Welt liegt nicht in neuen Managementmethoden, sondern in einer neuen Gesinnung.

Fragen an Bodo Janssen

Herr Janssen, ein zentrales Führungsinstrument ist Ihr neues Leitbild. Ist Exzellenz ein Thema in Ihrem Leitbild?

Für uns wirkt Führung auf Menschen. Exzellenz bedeutet für uns, dass die in unserem Leitbild verankerten Werte und Grundsätze exzellente Rahmenbedingungen zur Potenzialentfaltung unserer 650 Mitarbeiter schaffen. Insgesamt sind in den letzten zwei Jahren weit über 5.000 Mitarbeiterstunden in die Leitbildentwicklung eingeflossen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Art und Weise unserer Erarbeitung einen großen Einfluss auf Art und Grad der Menschlichkeit bei Upstalsboom hat.

Durch Exzellenz in welchen Bereichen unterscheiden Sie sich von der Masse der Ferienhotels und -wohnanlagen?

Im Gegensatz zu der in unserer Branche weit verbreiteten Ressourcenausnutzung sehen wir eine erfolgreiche Zukunft in der Potenzialentfaltung. Aus diesem Grund haben wir uns von den antiquierten Betrachtungs- und Vorgehensweisen der klassischen BWL verabschiedet und auf die Erkenntnisse aus der positiven Psychologie, Spiritualität und Biokybernetik konzentriert. Unsere Führungsdienstleistung besteht darin, diese Erkenntnisse unseren Mitarbeitern zur Entwicklung ihrer Persönlichkeit zugänglich zu machen.

Was kann die Tourismusbranche insgesamt von Upstalsboom lernen?

Wir haben gezeigt, dass Wertschöpfung durch Wertschätzung sehr erfolgreich sein kann. Hierin liegt auch unser Vorbildcharakter. Auf der Homepage des renommierten deutschen Hirnforschers und Buchautors Prof. Dr. Gerald Hüther (www.kulturwandel.org) werden wir als eines von acht „Unternehmen des Gelingens“ in Europas deutschsprachigen Raum beschrieben. Wir wünschen uns viele „Unternehmen des Gelingens“.

Wo sehen Sie noch Schwächen in Ihrem Unternehmen bzw. wo können Sie noch mehr an Ihrer Exzellenz arbeiten?

Aufgrund unseres Paradigmenwechsels sehen wir zurzeit noch eine Schwäche in der Auswahl der zu unseren bestehenden Teams passenden Mitarbeiter. Unser Erfolg basiert auf Werten wie Achtsamkeit, Wertschätzung und Vertrauen. Gerade in unserer Branche haben wir die Erfahrung gemacht, dass z. B. das Anbieten von Unterstützung als Geringschätzen der eigenen Kompetenz empfunden wird. In dieser Situation erfordert der Aufbau des Selbstbewusstseins der betroffenen Person eine hohe Investition.

Fehler passieren in jedem Unternehmen. Haben Sie durch Ihren Paradigmenwechsel eine andere Einstellung zu Fehlern?

Bei uns geht es nicht um richtig oder falsch, gut oder schlecht. Bei uns geht es darum, einander zu respektieren, Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam Ziele zu erreichen. Sofern jeder seine gesammelten Erfahrungen nutzt, um sein Verhalten im persönlichen Sinne, aber auch im Sinne der Gäste, der Gemeinschaft und des Unternehmens weiterzuentwickeln, ist für uns die Welt in Ordnung. Fehler dürfen ausdrücklich einmal gemacht werden.

Upstalsboom: Führung ist kein Privileg, Führung ist Dienstleistung

Die Upstalsboom-Hotels und -Ferienwohnanlagen sind über viele Jahre hinweg Mittel zum Unternehmenszweck. Werner H. Janssen und seine Frau Gretchen hatten sich in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts ursprünglich dem Bauträgergeschäft verschrieben. Ein Hotel auf der Insel Langeoog ist dann im Jahr 1976 das erste Hotelprojekt. Es ist ein klassisches Bauherrenmodell. Investoren erwerben Anteile, das Unternehmen baut das Objekt und betreibt es, die Anteilseigner erhalten eine Rendite. Die komplette Wertschöpfungskette wird so bedient. Mit der Eröffnung des Hotels auf Langeoog bricht Werner H. Janssen eine Regel und wird von allen dafür anfangs belächelt. Das Hotel ist ganzjährig geöffnet. Ein absolutes Novum, denn die Saison geht bis dahin nur von Ostern bis September. Im Jahresrhythmus kommen neue Häuser hinzu. Bis 2005 entsteht ein Großteil der Anlagen.

Der Start hält manche Hindernisse bereit

Bodo Janssen sieht sich bis dahin die Unternehmensgruppe von außen an. Sein Sport- und Freizeitzentrum macht ihn unabhängig. Er kann in Ruhe prüfen, ob er einmal ins „Upstalsboom-Boot“ einsteigen will. Ein Jahr lang analysiert er, sieht sich jedes Haus von innen an, prüft es auf Herz und Nieren, spricht mit vielen Mitarbeitern und trifft nach reichlicher Überlegung die Entscheidung, ins Unternehmen einzusteigen. Zwei Bedingungen stellt er: Mittelfristig soll ein Teil der Hotels in das Eigentum der Familie überführt werden. Und 100 % der Erträge müssen dort, wo die Familie die Majorität hat, in die Häuser reinvestiert werden. In den ersten Jahren kommt so durchschnittlich ein Hotel pro Jahr in den Familienbesitz.

Die Zusammenarbeit zwischen Vater, Mutter und Sohn läuft prächtig, als im Mai 2007 Werner H. Janssen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Die Unternehmensnachfolge bekommt von einem Tag auf den anderen höchste Priorität. Bis dato gibt es fünf Geschäftsführer in der Unternehmensgruppe. Heute leiten Mutter und Sohn zusammen mit Franz-Josef König als Prokuristen die Geschicke des Unternehmens. Gretchen Janssen kümmert sich um die Gesellschaftsstrukturen, Bodo Janssens Disziplin sind die Menschen imUnternehmen, die Strategie, das Image und die Innovationen. Franz-Josef König konzentriert sich auf die wirtschaftliche, qualitative und strukturelle Zukunftssicherung. „Die Arbeit meiner Mutter ist nach wie vor essentiell für den Unternehmenserfolg. Sie hält mir den Rücken frei, um das Unternehmen weiterentwickeln zu können“, sagt Bodo Janssen bestimmt und emotional zugleich. Man spürt, welchen Wert seine Mutter für das Unternehmen hat.

Von der Ressourcenausnutzung zur Potenzialentfaltung

Mit systemischer Unterstützung von Franz-Josef König konzentriert sich der geschäftsführende Gesellschafter die ersten Jahre auf die „qualitative und wirtschaftliche Verdichtung des Portfolios“, wie er es bezeichnet. Dahinter verbergen sich die Implementierung des Serqua-Managementsystems sowie Investitionen in die Häuser und Servicequalität. Der Name Upstalsboom ist bei Banken seit jeher ein Synonym für Qualität und Zuverlässigkeit. Sie wenden sich an das Unternehmen, wenn sie schwierige Fälle in ihrem Portfolio haben.

2009 der Schock. Eine Führungskraft sagt zu Bodo Janssen: „Ich arbeite für zwei Unternehmen. Eines, das Sie mir schildern, und eines, wie es mir unsere Mitarbeiter schildern.“ Es folgt eine Mitarbeiterbefragung, welche die Aussage der Führungskraft bestätigt. Der Unternehmer vollzieht ab diesem Tag einen Kulturwechsel von der „Ressourcenausnutzung“ zur „Potenzialentfaltung“. Er verabschiedet sich von den antiquierten Betrachtungs- und Vorgehensweisen der BWL. Er kreiert den „Upstalsboom-Weg“, dem seine Vision von glücklichen Menschen zugrunde liegt. Wertschöpfung durch Wertschätzung wird zum zentralen Führungsziel.

Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren geht Bodo Janssen parallel zum operativen Geschäft mehrmals ins Kloster. Der Benediktinerpater Dr. Anselm Grün, der Psychologe Dr. Friedrich Assländer und der Begründer des Corporate Happiness Ansatzes Dr. Oliver Haas werden zu seinen Mentoren in Führungsangelegenheiten. Die gewonnenen Erkenntnisse münden im Ziel, die Stimmung im Unternehmen durch eine wirksame, nachhaltige und werteorientierte Führung der Mitarbeiter zu steigern.

 Vieles wird auf den Kopf gestellt

Im ersten Schritt erhalten die 70 Führungskräfte eine Einladung ins Kloster, um sensibel für die neuen Führungsziele zu werden. Für diejenigen, die sich dem Thema Kloster und Spiritualität verschließen, gibt es den wissenschaftlichen Ansatz von Corporate Happiness. Die Führungskräfte lernen, achtsamer mit dem Tag und den Menschen umzugehen. Sie lernen, sich selbst zu führen, andere zu führen und erhalten sprachliche Instrumente wirksamer Führung („miteinander sprechen, anstatt übereinander zu reden“). SchmidtColleg und Cay von Fournier helfen bei der Erarbeitung des neuen Upstalsboom-Leitbildes. Dieser Prozess dauert über eineinhalb Jahre, dann steht das Ergebnis, mit dem sich die Mitarbeiter zu 100 % identifizieren können.

Beispiele für die neue Führungskultur sind, dass die Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten an ihrer genetisch bedingten „inneren Körperuhr“ ausrichten können. „Morgenmenschen“ arbeiten in der Frühschicht, „Nachtmenschen“ in der Spätschicht. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, zusätzlich zur Mittagspause 30 Minuten zu meditieren oder ganz einfach einmal nichts zu tun, ohne die Arbeitszeit verlängern zu müssen. Jeder Mitarbeiter bekommt jährlich bis zu zwei freie Tage, um sich auf Kosten des Unternehmens sozial zu engagieren. Das sind jährlich 1.200 Tage soziales Engagement der Upstalsboomer. Neuestes Projekt: Bodo Janssen hat seine 70 Führungskräfte eingeladen, mit ihm nach Ruanda zu fliegen, um sich dort am Aufbau einer Schule zu beteiligen.

Der neue Weg hat sich gelohnt

Die Ergebnisse der neuen Führungskultur können sich sehen lassen. Die Mitarbeiterzufriedenheit stieg seit 2010 um 80 %. Die Weiterempfehlungsrate der Gäste von 92 % auf 98 %. Der Umsatz verdoppelte sich bei gleichzeitiger Steigerung der Umsatzrendite. Die Anzahl der Bewerbungen nimmt zu, bei der letzten Hoteleröffnung kamen 3.000 Bewerbungen für 100 Stellen.

Ein Ziel treibt Bodo Janssen derzeit an. Bei Pater Anselm Grün hat er gehört, dass dieser seine klösterlichen Betriebe im unterfränkischen Münsterschwarzach (360 Mitarbeiter) ohne Budgets und ausschließlich mit den im Benediktinerorden verankerten Werten führt. Soweit will er mit Upstalsboom auch kommen. Der Hotelier von der Nordseeküste wird einen Weg finden.

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