Tenbrink Objekteinrichtungen GmbH
Der Spezialist für entspanntes Renovieren
„Wir wollen europäischer Marktführer werden“, sagt selbstbewusst Winfried Tenbrink. Für einen Tischlermeister ist dies aber sicherlich keine selbstverständliche Aussage. Tenbrink Objekteinrichtungen ist längst weitaus mehr als eine Tischlerei. Das zeigt sich spätestens beim Blick auf das Logo. Unter dem Namenszug steht in englischer Sprache „PROFESSIONALS IN RENOVATION“.
Schwerpunkt der unternehmerischen Tätigkeit bei Tenbrink ist neben dem Ladenbau vor allem die Komplettrenovierung von Hotels. Nizza, München, Kopenhagen oder London sind die Arbeitsplätze der Monteure von Tenbrink. „Von uns bekommt das Hotel alle nötigen Leistungen aus einer Hand, zum Fixtermin und Festpreis“, zeigt Manfred Terliesner auf. Er ist neben Winfried Tenbrink Geschäftsführer des Unternehmens und verantwortet den Unternehmensbereich Vertrieb. Als weiterer Geschäftsführer ist Hubert Thesker für den kaufmännischen Bereich verantwortlich.
Erster Schritt: Eigenständiger Vertrieb
Der Großvater von Winfried Tenbrink hat wohl nicht geahnt, was aus seiner Tischlerei mal werden wird. 1986 hat Winfried Tenbrink die Tischlerei mit 12 Mitarbeitern übernommen. Nach dem man unter anderem einige Jahre für einen Hoteleinrichter im Bereich Innenausbau tätig war, trat Tenbrink 1989 erstmals selbst am Markt in Erscheinung und baute einen eigenständigen Vertrieb auf. Der Umsatz stieg binnen drei Jahren von 3 auf 15 Millionen DM. „Es mussten dringend neue Organisationsstrukturen her", blickt Manfred Terliesner heute zurück. Bei einem Hoteldirektor fiel ihm immer wieder der Zeitplaner von SchmidtColleg und dessen UnternehmerEnergie-Lehrwerk auf. Neugierig geworden und vom Hoteldirektor informiert, fuhren Manfred Terliesner und Winfried Tenbrink 1996 zum Seminar, in der Hoffnung, hier die Lösungen für ihre Probleme zu bekommen.
Nach Seminar motiviert und voller Tatendrang

Beide schmunzeln heute darüber, dass sie nach dem ersten Tag erst einmal enttäuscht waren. „Was sollte die Fragen nach der Kindheit und das Schreiben der eigenen Grabrede“, fragte sich Manfred Terliesner damals. Seine eigene Grabrede hat er damals auch nicht geschrieben. „Wir fingen aber an nachzudenken. Und am Ende des Seminars waren wir ‚bis in die Haarspitzen‘ motiviert und voller Tatendrang“, so das abschließende Resumee über die 4 Tage bei SchmidtColleg.
Bereits auf der Rückfahrt vom Seminar saß Manfred Terliesner mit Block und Stift neben Winfried Tenbrink auf dem Beifahrersitz und notierte fleißig die Ideen, die die Beiden entwickelten. Zwei Wochen nach dem Seminarbesuch gab es die erste Mitarbeiterversammlung und erste Veränderungen wurden umgesetzt. Die Mitarbeiter wurden von der Euphorie der Geschäftsführer angesteckt. Und Hubert Thesker wurde gleich zum nächsten Seminar geschickt und brachte wieder eine Menge neuer Ideen mit.
Die wohl einschneidernste Veränderung aus den Seminarerkenntnissen war die Auflösung der Abteilungen. Man ging dazu über, in Profitcentern zu denken und zu arbeiten. Heute besteht Tenbrink aus fünf Teams, die in drei eigenständigen Unternehmen tätig sind. In der Tenbrink Objekteinrichtung GmbH ist der Vertrieb für die Bereiche Hotel und Ladenbau angesiedelt. Eine weitere GmbH ist mit der Produktion beschäftigt, während eine dritte GmbH die Teams Logistik und Montage beherbergt.
Spezialist für entspanntes Renovieren
Heute wirbt Tenbrink damit, Spezialist für entspanntes Renovieren zu sein. Dies ist in erster Linie darin begründet, dass jeweils ein Projektteam komplett einen Auftrag abwickelt. „So können wir den Kunden Sicherheit für Qualität, Kosten und Terminen geben", argumentiert Manfred Terliesner. Diese Argumente ziehen vor allem bei Investoren und Betreibern von Hotels. Man habe auch versucht im Gesundheitsmarkt als Generalunternehmer aufzutreten, doch sei hier das Thema „Alles aus einer Hand“ nicht gefragt. Die Gewerke werden meist einzeln ausgeschrieben, so dass Tenbrink sein Know-how als Generalunternehmer nicht nutzen konnte.
Gesehen wird dies nicht als Rückschlag, sondern vielmehr als Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Seit wenigen Monaten stehen am Produktionsstandort in Stadtlohn attraktive Präsentationsräume zur Verfügung. Kunden können hier Materialien auswählen und zusammenstellen. Von hier aus besteht eine direkte und offene Verbindung in das Planungsbüro. „So bringen wir unsere Innenarchitekten und die Kunden mit ihren Wunschmaterialien direkt zusammen", nennt Winfried Tenbrink die Vorteile dieses Konzepts.
Neue Wege sind nicht immer leicht
Man geht also auch hier – wieder einmal – ganz neue Wege. Die Kunden können die Materialien nicht nur sehen, sondern tatsächlich begreifen, also in die Hand nehmen. „Das bringt ganz andere Verkaufsargumente“, freut sich Manfred Terliesner. Mit den neuen Räumlichkeiten könne man jetzt das bieten, was Designerbüros ihren Kunden schon lange offerieren. Tenbrink ist so auch von Anfang an im Projekt eingebunden. Es wird geplant und alles von einer Hand ausgeführt. Diese Arbeit erfordert viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Kunden, nicht zuletzt, weil sie häufig bei laufendem Betrieb durchgeführt wird.
Dieser Weg hin zum „Professional in Renovation“ war nicht einfach, geben die drei Geschäftsführer zu. Es habe Zeit gebraucht und es mussten Durststrecken überwunden werden. „Wir haben aber immer gewusst, was wir wollten“, blickt Hubert Thesker zufrieden zurück. Man ging den Weg vom Möbelschreiner über den Objekteinrichter bis hin zum heutigen Generalunternehmer.
Ziele werden klar kommuniziert
Was Tenbrink will und vor hat, dass wissen alle im Unternehmen. Dies liegt sicherlich auch daran, dass der Betriebsratsvorsitzende Alexander Böing in die Jahreszielplanung mit eingebunden ist. So werden die strategische Ausrichtung des Unternehmens sofort den Mitarbeitern mitgeteilt und die Interessen der Mitarbeiter in die Planung mit eingebracht.
Zusammen mit dem Moderator Harald Westenberger aus dem SchmidtColleg-Netzwerkt treffen sich einmal jährlich die Geschäftsführer und Teamleiter, sowie der Betriebsratsvorsitzende zur Jahreszielplanung. „Heute können wir über unsere erste Jahreszielplanung für 1997 nur schmunzeln", sagt Hubert Thesker selbstkritisch. „Viel geschrieben, aber wenig konkretes." Heute werden die Ziele genau festgelegt und den Teams präzise kommuniziert.
Strategisches Netzwerk mit Partnerunternehmen

Längst können nicht mehr alle Leistungen mit den eigenen Mitarbeitern abgedeckt werden. Möbel werden in Spitzen von anderen Betrieben zugekauft. Auf den Baustellen bedient man sich einer Reihe von Partnerunternehmen. Die drei Geschäftsführer legen hier Wert auf das Wort Partnerunternehmer und wollen Subunternehmer gar nicht in den Mund nehmen. „Das liegt an unserem Selbstverständnis und der Form des Miteinanders", verdeutlicht Winfried Tenbrink seine Einstellung zu diesem Thema.
Bei Tenbrink weiß man genau, welche Bedeutung die Partnerunternehmen und deren Mitarbeiter haben. Sie sind auch Visitenkarte von Tenbrink, denn der Generalunternehmer ist für alles verantwortlich. Dies zeigt sich z. B. dadurch, dass die Mitarbeiter der Partnerunternehmer auch im „Tenbrink-Outfit“ auf den Baustellen arbeiten. Ganz bewusst wird deshalb auch dieses strategische Netzwerk mit den Partnerfirmen gepflegt. Die Partnerunternehmen werden zum Beispiel über die Teile der Jahreszielplanung informiert, die sie betreffen. Zum zweiten Mal hat Tenbrink deshalb 2007 einen Partnertag veranstaltet, bei dem über Ziele und die Wege zur deren Realisierung gesprochen wurde. Manfred Terliesner: „Wir wissen genau, dass die Menschen vor Ort es sind, die diese Leistung bringen.“
Nur so ist es überhaupt erst möglich, dass Tenbrink das wichtigste Argument im Verkauf einsetzen kann. „Die Kostensicherheit ist Investoren und Hotelbetreibern das A und O". Hubert Thesker kennt die Anforderungen des Marktes. Eine 100-prozentige Preisgarantie bei Renovierungen könne nur ein Generalunternehmer mit entsprechender Erfahrung abgeben.
Kunden wollen Kostensicherheit
In der Praxis sieht dies dann so aus, dass im ersten Schritt eine Kostenschätzung gemacht wird. Bereits hier sind die Spezialisten und Partnerunternehmen mit vor Ort. Diese Kostenschätzung erfolgt mit Garantie auf plus minus 10 Prozent. Nach den Verhandlungen kommt es dann zum Angebot mit der 100-prozentigen Kostensicherheit. Dies ist eine Vorgehensweise, die die Kunden immer mehr schätzen. Tenbrink weiß aber auch, dass dieses Angebot im Bereich der Neubauten nicht funktioniert. Hier sind es Architekten, die Konzepte und Ausschreibungen machen. Tenbrink würde als Möbelschreiner und Objekteinrichter hier nur über den Preis verkaufen können.
Dass alles in Bezug auf Kosten, Qualität und Termin funktioniert, dafür sorgen die Teams im Team. Im Hotelteam sind es rund 30 Mitarbeiter. Für die einzelnen Projekte kommen jeweils ein Berater, ein Innenarchitekt, ein Mitarbeiter aus der Kalkulation und ein Kaufmann zusammen. Kommt es zum Auftrag, gesellt sich ein Projektleiter dazu und die Produktion wird mit eingebunden. Der Projektleiter und der Kaufmann haben die Projektkostenverfolgung und -kontrolle inne. Sie sind natürlich auch für die Kosteneinhaltung verantwortlich. Die Prämie für die Mitarbeiter ist abhängig vom Deckungsbeitrag des Projektes.
Im ganzen Unternehmen kommt ein transparentes Prämiensystem zur Anwendung, dass zuerst bei den Angestellten eingeführt wurde und jetzt auch im gewerblichen Bereich eingesetzt wird. Bei den Mitarbeitern, die direkten Einfluss auf den Deckungsbeitrag nehmen können, ist dieser Maß aller Prämien. Die anderen Mitarbeiter werden am Gesamterfolg des Unternehmens beteiligt.
Konzentration auf Kernkompetenzen
Dass die Konzentration auf die Kernkompetenzen oder die Einführung des Prämiensystems richtige Entscheidungen waren, zeigt sich auch am wachsenden Umsatz. In den letzten vier Jahren wurde hat sich dieser auf 40 Millionen Euro verdoppelt. Im Bereich der Ladeneinrichtung ist man für Kunden wie Vögele oder Ratio als Komplettanbieter tätig. Hier wird nicht nur die Ladeneinrichtung geliefert, sondern alles, bis hin zur Gestaltung der Fassade, übernommen.
Möglich ist der Unternehmenserfolg allerdings auch deshalb, weil „den Mitarbeitern die Leitplanken weit auseinander gestellt sind und sie eine breite Fahrbahn haben“. So drückt es Winfried Tenbrink aus, wenn er von Delegation von Verantwortung spricht. Er und seine beiden Geschäftsführer-Kollegen wollen die Mitarbeiter zu Mitdenkern und somit zu Mitunternehmern machen.
Mitarbeiter zeigen Eigeninitiative
Ein Resultat dieses Führungsstils zeigt Winfried Tenbrink auch gleich. So haben die Mitarbeiter in Eigeninitiative eine Software geschrieben, in deren Datenbank sämtliche Formulare hinterlegt sind, die auf europäischen Baustellen gebraucht werden. „Dadurch sparen sie jetzt eine Menge Zeit und Ärger.“
Ideen werden ebenfalls in einer eigens für Tenbrink geschriebenen Datenbank gesammelt. Von jedem PC aus können Verbesserungsvorschläge eingegeben werden. Innerhalb eines Jahres kamen so über 50 Vorschläge, von denen bereits alle umgesetzt sind und klare Ergebnisse bringen. „Es sind oft Kleinigkeiten", zeigt Winfried Tenbrink auf. So sei ein Vorschlag gekommen, einen Stapler in der Produktion mit einer Fernbedienung für das Tor auszustatten. Der Mitarbeiter müsse nicht mehr auf- und absteigen und dies spart Zeit. Vorschläge werden mit entsprechenden Prämien belohnt. Vorangetrieben wird das Vorschlagswesen von Betriebsratsvorsitzenden Alexander Böing, der bei den Kollegen dafür wirbt und es gleichzeitig verantwortet.
Von den Teamleitern werden jährlich Schulungspläne für ihre Mitarbeiter aufgestellt. Die Themen reichen von fachlichen Weiterbildungen bis hin zu Persönlichkeitstrainings. Im jährlichen Orientierungsgespräch erhält jeder Mitarbeiter die Möglichkeit gemeinsam mit dem Teamleiter das vergangene Jahr zu reflektieren. Verschiedene Kriterien werden von beiden Seiten nach dem Schulnotensystem bewertet und dann gemeinsam besprochen. Hubert Thesker: „Auch hier geht es darum, das es für beide Seiten vorwärts geht."
Dass es tatsächlich vorwärts geht, zeigt auch ein Blick in die Produktionshalle, wo die nächsten Hoteleinrichtungen geschreinert werden. Winfried Tenbrink denkt natürlich noch weiter. Seine Tochter Annabell durchläuft nach einem BWL-Studium nun alle Bereiche des Unternehmens. Er selber will sich aber noch längst nicht zurückziehen. Er will noch einmal UnternehmerEnergie besuchen. „Neue Ideen holen", sagt der Tischlermeister, der europäischer Marktführer werden will.