Schwarzwald Abbund
Problemlöser mit Tradition
„Schulkollegen denken schon an den Ruhestand. Ich habe eine neue Halle gebaut“, sagt Herbert Riegger. Dieser Ausspruch charakterisiert den 57-jährigen Sägewerksmeister ganz gut. Herbert Riegger hat schon immer etwas unternommen, so wie man es von einem Unternehmer erwartet. Nochmals einen Gang zugelegt hat er, behaupten seine Mitarbeiter und seine Töchter, seit er UnternehmerEnergie anwendet.
Doch alles der Reihe nach: Herbert Riegger und sein Unternehmen zeigen, wie aus einem typischen Kleinbetrieb am Rande des Marktes ein „Problemlöser“ mit hervorragenden Marktchancen wurde. Rezession am Bau, Preiskämpfe mit anderen Anbietern oder auch Probleme mit Mitarbeitern und Bank bringen Herbert Riegger nicht mehr aus der Ruhe. Gelassen zeigt er die Marksituation auf, hat aber auch gleichzeitig Lösungen parat. „Dazu beigetragen hat sicherlich das Seminar UnternehmerEnergie", sagt Riegger. Ein Kollege aus der gleichen Branche riet ihm „mal was Gutes für sich zu tun". Den Rat befolgte er im Herbst 2004, obwohl sein Betrieb schon gut aufgestellt war.
Lange Tradition
In landschaftlich reizvoller Kulisse vor hohen Fichtenwäldern befindet sich das Betriebsgelände von Herbert Riegger. Bereits sein Vater führte dort ein Dampfsägewerk. „Die Technik war aus dem Jahr 1949", blickt Riegger zurück. Er selber hat den Beruf von der Pike auf gelernt und mit der Meisterprüfung zum Sägewerksmeister abgeschlossen. Schon in den achtziger Jahren überlegte Herbert Riegger, wie man neue Geschäftsfelder erschließen könne. Ihm half dabei der Zufall, denn der Hersteller seiner Sägewerksmaschinen Hundegger, begann damit Abbundmaschinen herzustellen. Während Herbert Riegger bisher die Zimmereien nur mit dem Bauholz versorgte, begann er 1988 damit den Zimmerern das Holz gleich abzubinden.
Beim Abbinden werden die Balken genau nach Plan zugesägt. Verbindungszapfen und Winkel werden gleich passgenau ausgesägt bzw. passend gefräst. „Für kleinere Zimmereibetriebe ist eine solche Anlage unwirtschaftlich", argumentiert Herbert Riegger. „Wir können hier helfen und so können auch diese Betriebe wirtschaftlich günstig anbieten." Je komplizierter das Holzbauvorhaben sei, desto wirtschaftlicher sei der automatische maschinelle Abbund. Der Zimmerer bekommt von der Firma Schwarzwald Abbund das abgebundene Holz geliefert und muss die Holzteile nur noch zusammenbauen.
Stets zu Diensten
80 Prozent der Kunden kommt aus der Region; die anderen 20 Prozent sind über Deutschland verteilt und in der Schweiz. Vom einfachen Dachstuhl über komplizierte Holzkonstruktionen bis hin zu Kletterwänden, reicht das Auftragsspektrum des Betriebes. Man ist Dienstleister und Lieferant für das Zimmererhandwerk. Mit den Jahren wuchs die Kundschaft aus dem Zimmererhandwerk. Heute lassen selbst Holzhausbauer den kompletten Abbund von Riegger und seinen Team machen. Sie schätzen die saubere Arbeit und die Flexibilität des Unternehmens. Herbert Riegger: „Auch wir machen mal Fehler. Aber da wird nicht erst der Schuldige gesucht, sondern gehandelt.“
Mit Handeln meint der agile Unternehmer, dass dann eben das fehlende oder falsche Teil sofort nachgefertigt und zur Baustelle gefahren wird. „Die Kunden wissen, dass sie sich auf uns verlassen können.“ Mit jeder Abbundlieferung geht ein Anschreiben des Unternehmens mit heraus. Hierin bedankt sich das ganze Schwarzwald Abbund-Team für den Auftrag und der zuständige Zimmermeister stellt sich für Nachfragen zur Verfügung. „Der Kunde auf der Baustelle weiß ganz genau, wer der Verantwortliche bei uns ist und kann ihn sofort anrufen“, sagt einer der Zimmerermeister.
Das Sägewerk als Keimzelle des Unternehmens hat Herbert Riegger vor zwei Jahren stillgelegt. Dies konnte der Sägewerksmeister mit ruhigen Gewissen tun. Zwei der langjährigen Mitarbeiter dort gingen in den Ruhestand, andere wurden in den Abbundbetrieb übernommen.
Erfolg durch Konzentration
Die ganze Konzentration des Unternehmens Riegger liegt seither auf dem Abbund und Herstellen von Holzbauteilen. Herbert Riegger lies es dabei allerdings nicht bewenden. „Wir wollen die Fertigungstiefe möglichst weit ausbauen." Aus diesem Gedanken heraus werden inzwischen ganze Holzwandelemente nach Kundenwunsch im wahrsten Sinne des Wortes ausgebaut. Dies sind komplette Wände mit bis zu 16 Meter Länge. Aber auch das ist Herbert Riegger noch zu wenig.
Momentan wird eine Halle mit 1150 Quadratmetern Produktionsfläche gebaut. Dort können die Holzwandelemente auch zweiseitig bearbeitet werden. Das Ständerwerk aus den Balken kann so von zwei Seiten zur kompletten Wand gefertigt werden. Herbert Riegger: „Wir bieten unseren Kunden also noch eine weitere Dienstleistung an.“ Selbst die Isolierung wird gleich mit eingebracht, was auch güteüberwacht ist.
Hier kommt der Sägewerksmeister wieder auf UnternehmerEnergie zu sprechen. „Diese Tage im Schindlerhof haben mir ermöglicht das Unternehmen aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen.“ Riegger arbeitet seither weniger im Unternehmen und mehr am Unternehmen.
Ohne sich groß Gedanken zu machen, hatte man schon vor Jahren eine erfolgreiche Strategie eingeschlagen. Mit dem Abbund wurde man zum Problemlöser. Das für seine Qualität bekannte Schwarzwaldholz trug, war ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. „Für uns war dies allerdings eher selbstverständlich“, blickt Riegger selbstkritisch zurück.
Nachhaltigkeit wird gelebt
Heute weist Herbert Riegger ganz bewusst darauf hin, dass Holz aus der Region und nicht Billigholz aus Osteuropa verwendet wird. „Der ökologische Gedanke und die Nachhaltigkeit ist mir und vielen unserer Kunden sehr wichtig.“ Gerade die Bauherren von Holzhäusern würden dies schätzen. Wobei Herbert Riegger jedoch nicht direkt mit den Bauherren zu tun hat. „Die Zimmerer wissen, dass wir nicht direkt Privatleute beliefern und schätzen dies." Er tritt also nicht in Konkurrenz zu seinen eigentlichen Kunden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Riegger als anonymer Subunternehmer auftritt.
Das Unternehmen Schwarzwald Abbund Herbert Riegger präsentiert sich vielfältig. Schwarzwald Abbund ist als Copyright geschützt. Warme Farmen im Logo in Verbindung mit Baum- und Dachformen sind schon längst Markenzeichen geworden. Aus logistischen Gründen werden große Teile des Abbundholzes für den Transport verpackt. Auf diesen Verpackungen ist der Inhalt und auf den Klebebändern Schwarzwald Abbund aufgedruckt.
Entstanden sind solche Ideen sicherlich auch aus der Teilnahme am Seminar UnternehmerEnergie. „Ich sehe den Umgang mit Menschen heute ganz anders“, gibt Herbert Riegger selbstkritisch zu. Dabei verweist er auf ein schwäbisches Sprichwort: „Nicht gelobt ist genug gescholten.“ Das gilt allerdings nicht mehr für die Mitarbeiter von Herbert Riegger.
Außergewöhnliche Mitarbeiterkonzepte
Freiräume hatten seine Mitarbeiter schon immer. Sie vereinbaren mit den Kunden die Liefertermine und sind logischerweise auch für deren Einhaltung verantwortlich. Als Konsequenz hieraus planen die Mitarbeiter auch ihren Urlaub und die Arbeitszeit selber. Gearbeitet wird in der Halle im Zweischichtbetrieb, wobei das Team selber organisiert, wer wann da ist. „Ich sehe dies oft erst auf den Stundenzetteln“, sagt Riegger mit Vertrauen auf seine Mannschaft.
Die Mitarbeiter hat Herbert Riegger aber auch in ganz andere Weise in die Entwicklung des Betriebes mit eingebunden. Der Hallenneubau ist finanziell ein Kraftakt, denn auch die Mitarbeiter mit schultern sollten. „Sie sichern hierdurch ja auch ihre Arbeitsplätze.“ Auf 2 Urlaubstage verzichten die Mitarbeiter und die Normalarbeitszeit wurde von 37,5 auf 40 Stunden wöchentlich erhöht – im Einvernehmen.
Ganz ohne Diskussion ging dies natürlich nicht. Gerade die Stammbelegschaft musste überzeugt werden. „Neue Mitarbeiter haben schneller erkannt, dass es eine Investition in sichere Arbeitsplätze ist", blickt Riegger zurück. Auf der anderen Seite werden die Mitarbeiter auch am Unternehmenserfolg beteiligt. Herbert Riegger „hasst Lohndiskussionen". Um diese zu umgehen, werden zehn Prozent des Nettogewinns an die Mitarbeiter jährlich ausgeschüttet. Tankgutscheine und Weihnachtsgeld gibt es extra.
Geld alleine macht aber auch nicht glücklich. Herbert Riegger arbeitet heute ganz bewusst an einem positiven Betriebsklima. „Der Umgang miteinander und das Verständnis füreinander ist sehr wichtig.“ Die Kunden spüren, wenn das Betriebsklima stimmt.
Freiräume für Kunden nutzen
Dies auch den Kunden „rüber zu bringen“, sieht Herbert Riegger als seine vordringlichste Aufgabe an. Mit einem Anflug von Selbstironie gibt er zu, dass er außer bei Angeboten und Verladungen nicht im täglichen Geschäft eingebunden ist. Er hat sich die Freiräume geschaffen, um zu den Kunden zu gehen. „Kontaktpflege ist für mich ganz wichtig. Auch eine Erkenntnis aus UnternehmerEnergie, die ich vorher noch nicht so hatte.“
So holte er Cay von Fournier für einen Vortrag in seine Region. Eingeladen hatte die Firma Riegger hierzu ihre Kunden und Geschäftspartner. „Unser Ansprechpartner von der Bank war begeistert von dem, was wir machen." 70 Teilnehmer konnte Herbert Riegger begrüßen. Die Veranstaltung sei ideal gewesen, um zu zeigen, wie das Unternehmen Schwarzwald Abbund „tickt", aber auch um den Kunden Anregungen für ihr Unternehmen zu geben.
Herbert Riegger will es dabei allerdings bewenden lassen. Er will weiter mehr am Unternehmen, statt im Unternehmen arbeiten. „Bis zu meinem 62. Lebensjahr wird die Nachfolge geregelt sein.“ Er lässt sich hierbei alle Optionen offen. Diese können seine zwei Töchter, aber auch Mitarbeiter oder Geschäftspartner sein. „Wenn der Betrieb interessant ist, gibt es auch Interessenten.“
Quelle: SchmidtColleg 2007