Rauschenberger Gastronomie
„Ich habe viele tolle Gelegenheiten genutzt", sagt Jörg Rauschenberger (51). „Einige haben sich hinterher allerdings als Baustellen herausgestellt." Das passiert dem Gastronomieunternehmer heute nicht mehr. Er weiß genau, was er will und hat eine klare Unternehmensvision. Er kennt genau seinen Weg dort hin. Deshalb kann man Jörg Rauschenberger auch nicht nur als Gastronom bezeichnen. Sein Unternehmen macht heute 11,5 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 140 Mitarbeiter. 2006 wurde er zum „Gastronomen des Jahres“ gekürt.
Etwas bewegen, das war es, was Jörg Rauschenberger schon frühzeitig wollte. Eine Ausbildung in der Hotellerie und Gastronomie absolvierte er im schweizerischen Lausanne. „In der Hotellerie sah ich die Chance in die Welt hinaus zu gehen und etwas zu sehen", sagt Jörg Rauschenberger. Während verschiedener Praktika merkte er jedoch, dass man eher in der Gastronomie schnell etwas bewegen kann. Da war der Sprung in die Selbstständigkeit im Jahr 1982 nur noch konsequent.
Heute gibt Jörg Rauschenberger offen zu, dass er mit seinem ersten Restaurant nicht den Mut hatte, etwas Außergewöhnliches zu machen. „Ideen hatte ich schon, aber …". Erst 5 Jahre später wurde das bürgerlich-traditionelle Konzept aufgegeben und mit dem „Spaghetti House“ ein Konzept verwirklicht, dass es zur damaligen Zeit in dieser Form noch nicht gab. Das Konzept war erfolgreich, wurde vervielfältigt und in Lizenz verkauft.
Eher zufällig entwickelte sich daneben das Catering. Jörg Rauschenberger merkte schnell, dass hochwertiger Partyservice und das Low-Cost-Konzept von „Spaghetti House“ nicht zusammen passten. Er arbeitete damals an vielen Projekten und hatte jede Menge Probleme. Die damals 35 Mitarbeiter konnten ihm auch nicht wirklich helfen. Jörg Rauschenberger sagt heute, dass sie nicht qualifiziert genug waren und auch nicht uneingeschränkt auf seiner Seite standen und ihn unterstützten. Betriebswirtschaftliches Wissen hatte Rauschenberger durch seine Ausbildung. Was ihm fehlte, war eine klare Ausrichtung des Unternehmens und – damit verbunden – eine konsequente Einbindung der Mitarbeiter in das Unternehmensgeschehen.
Das ist aber alles „Schnee von gestern“. Vor gut 10 Jahren besuchten Jörg Rauschenberger und sein heutiger Partner Prokopios Metaxas das Seminar UnternehmerEnergie. „Für mich war sofort klar, dass es nur mit diesem ganzheitlichen Ansatz etwas werden kann“, blickt Rauschenberger auf die Seminartage zurück. Ihm wurde auch klar, dass er dies nicht alleine schaffen konnte. Prokopios Metaxas hatte im Unternehmen die operative Leitung inne und Rauschenberger wurde klar, dass er seinen Mann an der Front zuerst ‚umdrehen‘ musste“.
Mit „umdrehen" meint Jörg Rauschenberger die konsequente Ausrichtung des Unternehmens auf klare Ziele. Er fragte sich, was das Unternehmen besonders gut machte und wie es daraus sein Profil schärfen kann? Das Ergebnis aus dieser Fragestellung war der erste 7-Jahresplan von Rauschenberger Gastronomie.
In diesem Plan hatte Rauschenberger seine Ziele klar definiert. Die Restaurants sollten auf eine höhere Qualitätsstufe gehoben werden. Aus dem „Spaghetti House“ wurde das „Pier 51“. Heute ist das „Pier 51“ im Großraum Stuttgart als Seafood-Restaurant (mit eigenem Hummerbecken als Alleinstellungsmerkmal) bekannt. Die Gäste bekommen neben der absoluten Frische der Speisen einen exzellenten Service in einem tollen Ambiente geboten. Low-Cost war gestern, höchste Qualität ist heute.
Mit der Focussierung auf Qualität lies sich auch der Bereich Partyservice zielgerichtet entwickeln. Er ist heute ein weiteres Aushängeschild des Unternehmens. Die Einstellung zu Produktqualität und Service, wie sie in den Restaurants von Rauschenberger gelebt werden, findet sich auch beim Partyservice wieder. „Unsere Umsätze dort haben sich seither vervielfacht“, freut sich Jörg Rauschenberger, „auch wenn das Catering eigentlich nur als zweites Standbein geplant war.“
Im Catering macht das Rauschenberger-Team sicherlich vieles, wie viele andere Cateringanbieter auch. „Ein freundliches Gesicht beim Service und eine ordentliche Küche können andere Anbieter auch, insbesondere unter Aufsicht des Chefs.“ Rauschenberger sieht jedoch das Problem dann, wenn der Chef nicht überall präsent sein kann. „Wenn der Laden groß wird und an einem Tag mehrere Events abgewickelt werden müssen, dann klappt manches oft nicht mehr.“
Auch Jörg Rauschenberger kann nicht überall sein. Trotzdem funktioniert es. Genau das sieht der Gastronomieunternehmer – neben der klaren Marktpositionierung – als den zweiten wichtigen Erfolgsfaktor seines Unternehmens an: es ist der gelebte Qualitätsgedanke im Team. Einzelkämpfer kann Jörg Rauschenberger nicht gebrauchen. Die haben seine Mitbewerber. Er hat eine Mannschaft hinter sich, die genau weiß, was von ihr gefordert wird und die genau weiß, was zu tun ist. Jörg Rauschenberger: „Nötig sind hierzu glasklare Strukturen. Das ist auch eine Erkenntnis, die ich aus UnternehmerEnergie mitgenommen habe."
Diese klaren Strukturen hat der Gastronomieunternehmer in umfassender Weise geschaffen. Von der übergeordneten Organisationsstruktur bis zum kleinsten internen Prozessablauf ist alles, was sinnvoll ist, exakt schriftlich fixiert. „So wird es überhaupt erst möglich große Veranstaltungen mit mehreren tausend Gästen auszurichten", erzählt Rauschenberger.
Die Mitarbeiter haben kein Problem mit diesem gelebten Qualitätsgedanken, im Gegenteil. Inzwischen waren neben Jörg Rauschenberger und Prokopios Metaxas noch weitere 12 Führungskräfte im Seminar UnternehmerEnergie bzw. FührungskräfteEnergie. 40 Mitarbeiter haben zudem am Seminar MitarbeiterEnergie teilgenommen. Jörg Rauschenberger ist von der Resonanz aus den Seminaren beeindruckt: „Jeder kann sich hier für sich selber und seinen Tätigkeitsbereich enorm viel heraus ziehen."
Seit inzwischen fünf Jahren lässt der Gastro-Unternehmer Mitarbeiterbefragungen machen, auch aufgrund einer Anregung des SchmidColleg. Die Mitarbeiterzufriedenheit steigt von Jahr zu Jahr. Rauschenberger sieht aus den Befragungen der Mitarbeiter auch deren Wünsche. „Sie wollen Verantwortung tragen, mehr lernen und mehr Lob. Das sind Forderungen, mit denen ich gut leben kann“.
Ein Unternehmen kann nur funktionieren, wenn klare Verantwortlichkeiten vergeben sind. Verantwortung kann allerdings nur getragen werden, wenn das dazu nötige Wissen vorhanden ist. „Schulungen und Seminare werden bei unseren Mitarbeitern als Highlight angesehen“, freut sich Rauschenberger. Neben fachlichen Schulungen bietet er seinen Mitarbeitern auch Weiterbildung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung an. „Wir bezahlen die Maßnahmen. Die Mitarbeiter bringen dafür ihre Freizeit ein.“ So einfach und klar ist die Regelung. Widerstände dagegen gibt es nicht.
Die Schulungen haben vielerlei positive Wirkungen. „Gute Mitarbeiter sind auf der einen Seite schwer zu finden und zum anderen schwer zu halten",
beschreibt Jörg Rauschenberger eines der Grundprobleme der Gastronomie. Viele Mitarbeiter würden von Unternehmen zu Unternehmen wandern, um Erfahrungen zu sammeln und um weiterzukommen. „Wir vermitteln unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie, wenn sie länger bei uns bleiben, mit gezielter Förderung noch viel weiter kommen können."
Die seither deutlich geringere Personalfluktuation ist ein Segen für das Unternehmen. Diese Form der Mitarbeiterorientierung spricht sich natürlich in der Branche herum. Im Januar 2008 wurde Rauschenberger Gastronomie als einer der Preisträger beim Wettbewerb „Die 100 besten deutschen Arbeitgeber“ ausgezeichnet. Vergessen sind die Probleme, die Jörg Rauschenberger noch vor zehn Jahren mit seinem Team hatte.
In seinem ersten 7-Jahresplan hatte Jörg Rauschenberger die Bereiche Philosophie, Marktpositionierung, Organisation und Mitarbeiterorientierung klar beschrieben und die Aufgaben dazu zusammen mit seinem Team abgearbeitet. „Ich möchte anderen auch Mut machen“, sagt er mit Blick auf seine eigenen Erfahrungen. „So ein Projekt beginnt zäh. Man muss die Nerven behalten und darf nicht nachlassen. Aber wenn die Maßnahmen greifen, dann geht es in einer Erfolgsspirale immer schneller nach oben.“
Einer dieser Erfolge ist das „CUBE“, das Restaurant mit der wohl besten Lage in Stuttgart. Im Top Floor des neuen Kunstmuseums bietet es eine fantastische Aussicht auf den Schlossplatz und die Stadt. „Dieses Alleinstellungsmerkmal wird dann noch mit unserer Qualität unterfüttert. So etwas ist unschlagbar“, sagt Jörg Rauschenberger mit ein wenig Stolz.
Der Gastro-Unternehmer macht deutlich, dass man nicht „einfach so“ die begehrte Ausschreibung für ein derartiges Prestigeobjekt für sich entscheiden kann. „Auch hier konnten wir durch unsere klare Marktpositionierung überzeugen.“ Seit drei Jahren betreibt er das Restaurant. Die Serviceexzellenz und die Qualität dort haben sicherlich dazu beigetragen, dass Rauschenberger 2006 zum „Gastronomen des Jahres“ gekürt wurde. „So etwas spornt natürlich das ganze Team an“, freut sich Jörg Rauschenberger.
Im gleichen Jahr bediente sich das Unternehmen erstmals der Hilfe eines SchmidColleg-Coaches bei der Ausarbeitung des Jahreszielplanes, den er zusammen mit seinem Führungsteam erstellt. Die Jahresziele wurden klar definiert und die Umsetzungsmaßnahmen mit Terminen versehen. An ihnen werden die Führungskräfte auch gemessen. Werden die Ziele erreicht, werden pro Jahr bis zu drei zusätzliche Monatsgehälter als Prämie ausgeschüttet.
Zur Rauschenberger-Führungsmannschaft zählt auch Ralph Hilse. Er hat die Stabsstelle Qualitätsmanagement und Controlling inne. „Das kostet uns erst mal nur Geld“, sagt Rauschenberger, aber die Belohnung folgt zeitnah. Durch die bisherigen Maßnahmen aus UnternehmerEnergie sei auch ein nicht unbeträchtlicher finanzieller Erfolg spürbar, gibt Jörg Rauschenberger schwäbisch-bescheiden zu.
Eine der wichtigsten Aufgaben von Ralph Hilse wird zukünftig die interne Kommunikation sein. Jörg Rauschenberger weiß, dass er nicht permanent mit allen Mitarbeitern reden kann. Als Bindeglied fungiert Ralph Hilse. Er ist bei fast allen Teambesprechungen der verschiedenen Teams dabei und sorgt dafür, dass die Ziele und Vorstellungen der Geschäftsleitung ohne Qualitätsverluste kommuniziert werden, also auch „ganz unten“ ankommen.
Als Beispiel nennt Rauschenberger das betriebliche Vorschlagswesen. Aufgabe von Ralph Hilse sei es z. B. auch sicherzustellen, dass selbst eine Spülfrau erkennt, wie wichtig ihre Verbesserungsvorschläge sind. Die Gäste in den Restaurants und beim Catering merken von den intensiven Anstrengungen hinter den Kulissen nichts. Sie sind nur begeistert vom gelebten Qualitätsgedanken.
Rauschenberger Gastronomie
Jörg Rauschenberger
Andreas-Stihl-Straße 23
71336 Waiblingen
Tel. (07151) 9861-666
www.rauschenberger-gastro.de